Substrate für die Käferzucht

1) Holzsubstrate

Allgemeines

Die Larven können das Lignin aus Holz nicht verwerten (außer natürlich die Arten, die frisches Holz fressen, aber die befinden sich so gut wie nicht in Zucht), daher muss das Lignin im Substrat vor der Verwendung zersetzt sein.
Das geschieht bei der Substratherstellung durch Pilze oder Bakterien.
Das Holz von Nadelbäumen ist für Käferlarven giftig!. Es sollte nur das Holz von Laubbäumen, beispielsweise Buche oder Eiche verwendet werden.

Weißfaules Holz

Weißfaules Holz (kurz WfH) ist totes, "morsches" Holz, das von einem Pilz zersetzt wurde.
Man kann es selbst im Wald sammeln (Genehmigung des Besitzers nötig!), im Internet kaufen oder selbst herstellen.
Um es selbst herzustellen beimpft man frisch geschlagenes Holz mit Pilzbrut. Anleitungen dazu gibt es im Internet oder der Fachliteratur.
Gutes Holz ist weiß bis cremefarben, riecht nach Pilzen und ist weich (lässt sich mit dem Fingernagel ritzen).
 
Weißfaules Holz wird heute kaum noch als Larvenfutter verwendet, da die Larven in anderen Substraten (z.B. Flake Soil) besser wachsen und größere Käfer ergeben. Flake Soil lässt sich noch dazu viel bequemer herstellen.
Für die Eiablage von stammlegenden Käfern ist weißfaules Holz nach wie vor unverzichtbar.
Getrocknet ist wfH sehr gut lagerbar, große Stücke wässert man vor der Verwendung am besten 24h lang. Danach lässt man sie noch ein paar Stunden abtrocknen, damit das Holz nicht zu nass ist.

Flake Soil

Allgemeines
Flake Soil (FS) ist das wichtigste "künstliche" Substrat und besteht aus fermentiertem Holz.
Über das Internet kann man Flake Soil inzwischen auch in Europa kaufen, in Japan ist es sogar in großen Supermärkten erhältlich. Am günstigsten ist es, das FS selbst herzustellen:
 
Herstellung von Flake Soil
Zutaten:  
Die Zutaten werden miteinander vermischt (Wasser zuletzt, sonst verklumpt das Mehl), die Masse darf auf keinen Fall zu nass sein, das ist der häufigste Anfängerfehler. Ideal ist etwa die gleiche Feuchtigkeit wie Larvensubstrat. Während der Fermentation muss das FS gut belüftet sein und sollte vor allem in der Anfangsphase täglich durchmischt werden, später kann das auch mal ausfallen. Ich setze das Flake Soil in einer Mörtelwanne an, die mit luftdurchlässigem Stoff (gegen Schädlinge) abgedeckt ist.
Zum Mischen verwende ich eine Bohrmaschine mit Rühraufsatz, die Fermentation dauert abhängig von der Temperatur etwa 6 Wochen.
Im Winter stelle ich es im Keller her, dann füge ich hin und wieder etwas Weizenmehl hinzu um die Temperatur wieder anzuheben.
 
Anstelle von Weizenmehl kann auch Maltose oder Trehalose verwendet werden. Mannchmal werden auch Mineralstoffadditive hinzugefügt.
 
Lagerung von Flake Soil:
Wenn das Flake Soil fertig ist stoppt die Fermentation natürlich nicht sofort. Wenn man FS länger lagern möchte möchte, sollte man es möglichst kühl lagern, kleinere Mengen lassen sich auch gut einfrieren.

Black Soil

Hierbei handelt es sich um länger fermentiertes Flake Soil. Es wird vor allem bei der Zucht von Dynastiden und einigen Cetoniden verwendet.

Kinshi

Kinshi ist Sägemehl, das komplett von einem Pilz durchwachsen ist. Es ist stark Proteinhaltig (-> gutes Larvenwachstum), und wird bei Hirschkäfern verwendet. Ein großer Vorteil ist, dass man selbst den Pilz auswählt der im Holz wächst. So kann man Arten züchten, deren Larven sich auf eine Pilzart spezialisiert haben, z.B. kann man Allotopus nur mit Trametes-Pilzen züchten. Kinshi wird in Flaschen ("Kinshi-Bottles") oder Kunststoffbeuteln verkauft. In Europa gibt es kaum Erfahrungen zur Herstellung von gutem Kinshi, eine Anleitung (die ich selbst aber noch nicht versucht habe) gibt es hier: http://kulturpilz.de/viewtopic.php?t=1321

Old Box/Old Mat

Old Box ist ein Vorläufer des Flake Soil. Es besteht aus mit Laub und Laubwaldhumus fermentierten Sägespänen.
Es eignet sich als Eiablagesubstrat und kann als Larvenfutter verwendet werden.
 
Herstellung
Zur Herstellung mischt man Sägespäne oder Sägemehl mit Laubwaldhumus und Laub, feuchtet das ganze an und lässt es in einem Behälter kompostieren.
Die Mengenverhältnisse hängen wohl von der Art ab, die man züchten möchte. Mehl beschleunigt die Kompostierung sicherlich.
Wie bei Flake Soil auch muss man während der Herstellung das Substrat regelmäßig wenden. Ich habe das Substrat noch nicht ausprobiert, ich denke es ist aber gut für viele Rosenkäfer und vielleicht für einige Odontolabis-Arten geeignet. Aber eigentlich hat man ja fast das gleiche Substrat wenn man einfach Flake Soil und Laubwaldhumus mischt.

2) Laubwaldhumus

Laubwaldhumus ist eines der wichtigsten Substrate in der Rosenkäferzucht.
Es handelt sich um Humus der hauptsächlich aus verrottetem Herbstlaub besteht. Es ist am einfachsten ihn im Wald zu sammeln, man kann aber auch selbst Laub kompostieren.
 
Guter Humus befindet sich zwischen dem Laub auf der Oberfläche und der normalen Erde. Dem Wald zuliebe sollte man ihn nicht großflächig abtragen, weil dabei Baumwurzeln und der Waldboden geschädigt werden.
Bevor er verwendet werden kann muss man den Humus dann noch durch häckseln zerkleinern und trocknen oder einfrieren, um unerwünschte Mitbewohner loszuwerden.